18.30-19.15   Kattrin Deufert, Beate Maurer: "die fRage dA oben im käFig"  
  Die Briefe der Gefangenen aus der RAF in den Jahren 1973-77 dokumentieren in mehrfacher Hinsicht die Situation der Isolationshaft und die Aktion des Hungerstreiks. Adressiert an die eigenen Anwälte und an die Mitgefangenen zeugen die Briefe von dem einzig verbleibenden Kommunikationsinstrument im Kampf um einen kollektiven Politisierungsprozeß gegen die Isolation und gegen die auf Auslöschung gerichtete Vereinzelung. Die Frage, wo der Käfig ist da oben und wo die Frage da oben im Käfig ist, stellt sich sowohl in Bezug auf die sprachlichen Äußerungen jeder einzelnen Gefangenen für sich und auf die Bedeutung des Kollektivs für die Terror-Bewegung als auch bezüglich des 'Groß-Käfigs: Welt', von dem jede Einzelzelle umgeben ist. "durch die iso wird uns gewaltsam ein widerspruch zwischen dem kollektiv und dem einzelnen aufgezwungen, der noch zum teil nicht gelöst ist - objektiv ne schwäche ist und subjektiv falsche vorstellungen zeigt. kollektiv und doch jeder in seinem loch ist die schwierigkeit, zur kollektiven entscheidung und handlung zu kommen." "selbstverständlich müssen sie isoliert werden. selbstverständlich bedrohen sie die sicherheit der schweine usw. selbstverständlich zeigen die ihre instrumente. nur: wir kennen sie, wir erkennen sie, sie verbreiten den schrecken nicht mehr, der sie erst scharf machte. sie sind stumpf. wir haben unsere zustimmung entzogen. reden wir von der entstehung des revolutionären subjekts / des kollektivs / der gruppe / der klasse. (schreibt auf. unsere haut.)"


Die Performerinnen:
Kattrin Deufert, Dr. phil., studierte Theater-, Film und Medienwiss., Deutsche und Französische Literatur in Frankfurt am Main, Bologna, London, Brüssel; derzeit Postdoktorandin am Graduiertenkolleg "Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung" in Frankfurt am Main; Assistenzen am Theater, Mitbegründerin der Diskursiven Poliklinik. Publikationen u.a.: "Askese der Bedeutungen - John Cages stille Musik", in: Christoph Wulf (Hrsg.): 'Askese'. Paragrana - Internationale Zeitschrift für historische Anthropologie, Berlin 1999; "Transformance in Soundbodysytems", in: Achim Wollscheid (Hg.): Klanginstallationskunst. Frankfurt am Main 2000 (im Druck).

Beate Maurer, absolvierte eine Tanzpädagogik-Ausbildung und studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft mit den Schwerpunkten Tanztheorie und experimentelles Theater in Frankfurt am Main. Mitarbeit bei freien Tanz- und Theaterprojekten; seit 1998 arbeitet sie an der Oper Frankfurt.