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18.15-19.00 |
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Andreas L. Hofbauer: "Re: Leviathan. Hobbes' Konzeption des Staates als "Artificiall Man" (Bericht über ein Projekt)
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Re: Leviathan
1651 veröffentlichte der englische Philosoph Thomas Hobbes sein Hauptwerk "Leviathan",
in dem er seine Staats- und Gesellschaftstheorie formulierte. Das Buch entstand vor dem
Hintergrund des englischen Bürgerkrieges und des 30-jährigen Krieges auf dem europäischen
Festland und wies eine dementsprechend pessimistische Färbung auf: Hobbes schilderte das
Zusammenleben der Menschen als Kampf aller gegen alle und empfahl als einziges Mittel zur
Sicherung von Frieden und Wohlstand die Unterordnung der einzelnen Bürger und
gesellschaftlichen Fraktionen unter eine alles beherrschende Zentralgewalt - den Leviathan.
Eng mit der durchschlagenden und anhaltenden Wirkung des "Leviathan" verbunden ist ein
Kupferstich, den Hobbes seinem Buch als Frontispiz voranstellte. Der Kupferstich wurde
von Hobbes gemeinsam mit dem Künstler Abraham Bosse entworfen und hob emblematisch die
zentrale These des Buches hervor: Er zeigt einen riesenhaften Menschen ("homo magnus"),
der sich aus einer Vielzahl kleiner Menschen zusammensetzt - ein Motiv, das bis in unsere
Zeit ein zentrales Sinnbild staatlicher Ordnung geblieben ist.
Der 350. Jahrestag der Erstveröffentlichung des Buches bildet den Anlass für das von
Richard Brem und Andreas L. Hofbauer initiierte Internet- und Videoprojekt Re: Leviathan,
in dessen Rahmen Intellektuelle, Wissenschafter und Künstler zu den Kernthesen des Buches und
deren aktuelle Bedeutung befragt werden sollen.
Folgende Aspekte stehen dabei im Vordergrund: Wie verhält sich Hobbes' "Leviathan" zu den
liberal oder kommunitär ausgerichteten Gesellschaftstheorien der Gegenwart? Besitzt der
Leviathan als Symbol staatlicher Ordnung in unserer Zeit noch Relevanz? Läßt sich das von
Hobbes für den Nationalstaat erdachte Symbol auf eine supranationale Ebene (EU, UNO)
transponieren?
Die Bildebene wird im Rahmen des Projekts Re: Leviathan eine wichtige Rolle spielen.
Hobbes' einzigartiger Versuch einer Visualisierung von politisch-philosophischen Inhalten und
Ideen wirft eine Reihe von Fragen auf: Ist das statische, am menschlichen (im konkreten Fall: ausschließlich männlichen und weißen) Körper orientierte Schema des "homo magnus" in der Lage, die dynamischen und hochkomplexen Zusammenhänge moderner Gesellschaften adäquat zu beschreiben? Was geht in dem von Hobbes imaginierten Kollektivkörper vor? Wie läßt sich Hobbes' Konzeption des Staates als "Artificiall Man" im Hinblick auf kybernetische Organismen, aber auch künstliche Organe (z.B. Überwachungskameras als künstliche Augen) verstehen? Taugt der "homo magnus" noch als "Logo" für unsere Gesellschaft? Inwieweit steht der Abkehr von anthropozentrischen und körperbasierten gesellschaftlichen Leitbildern (und deren Ersetzung durch diverse "Netzwerk"- und "System"-Metaphern) eine Entwicklung gegenüber, in deren Folge der menschliche Körper wieder massiv in den Mittelpunkt von Staat und Gesellschaft rückt (Reproduktionstechnologien, Gentechnik)?
Formal wird Re: Leviathan aus einer Vielzahl von Video- und E-Mail-Interviews sowie einer
Collage aus philosophischen und literarischen Fundstücken ad Leviathan bestehen.
Der Spannungsbogen reicht dabei von Norberto Bobbio, Carl Schmitt und Charles Taylor über
Edgar Allan Poes "Man of the Crowd" bis zu Clive Barker und David Cronenberg, die beide in
ihren Arbeiten das Motiv des Hobbes'schen "homo magnus" aufgenommen haben.
Für die graphische Gestaltung der Website wird das englische Graphiker-Kollektiv The
Designers Republic (www.thedesignersrepublic.com) verantwortlich zeichnen.
Fertigstellungszeitpunkt der Website ist Anfang Dezember 2001.
Andreas L. Hofbauer, geboren am 19. November 1967 in Wien.
Studium der Philosophie Pädagogik, Kommunikations- und Politikwissenschaft an der Universität W
ien. Forschungsaufenthalte in Oxford und Berlin. Würdingungspreis des österreichischen
Ministeriums f. Wissenschaft und Forschung. 2 Jahre Stipendiat des DAAD.
Promotion in Berlin bei Dietmar Kamper. Seit dem Arbeiten zu einem Habilitationsprojekt zum
Thema Konversion/Konvertierung. Zur religiösen, medialen und politischen Folie von
Gesellschaftstheorie und Regulation. Zahlreiche Vorträge und Aufsätze; daneben aber auch immer
wieder Textperformances mit Einsatz unterschiedlicher Bild- und Soundmedien, Theaterevents und
Mitarbeit an Ausstellungen und anderen contentorientierten Projektentwicklungen.
Übersetzer (u. a. S. Zizek, S. Critchley, H. Innis, Ch. Mouffe). Zuletzt erschienen sind u. a.:
Diverse Verbindlichkeiten, Wien 1998 (Passagen Verlag);
Einfache Lösungen, Marburg 2000 (Tectum Verlag; Mitherausgeber);
Ablösungsversuche, Wien 2001 (Passagen Verlag); Theater/Peripherien, Tübingen 2001
(Konkursbuch; Mitherausgeber); Hinderliche Zündeleien. Zur Theologie Erich Przywaras
(in: TUMULT 25/2001); Austrian Psycho (in: Jungle World 13/2000).
Richard Brem, geb. 1968 in Wien, 1987-1992
journalistischen Tätigkeit für den Österreichischen Rundfunk (Hörfunk) und Printmedien
(Der Standard). 1993-94 kuratorische Mitarbeit an dem Ausstellungsprojekt "Money - A Major
Body of Cash" der britischen K-Foundation. Im September 1998 Präsentation der gemeinsam mit
Theo Ligthart konzipierten, multimedialen Installation Hommage à Hedy Lamarr bei der
Ars Electronica (www.hedylamarr.at). Im Herbst 1999 Konzeption und Gestaltung einer
Website zum 90. Geburtstag des aus Österreich stammenden Management-Theoretikers Peter
F. Drucker (www.peterdrucker.at). Veröffentlichungen: Als Herausgeber (gemeinsam mit Theo
Ligthart): Hommage à Hedy Lamarr (Edition Selene, Wien 1999). Als Autor (gemeinsam mit Andreas
L. Hofbauer): "An Apology of Money", in: Subetage (Sabotage Communications, Wien 1999).
In Vorbereitung befindet sich die Herausgabe einer englischsprachigen Sammlung von Texten von,
über, für und gegen Ernst Jünger für den englischen Verlag The Penkiln Burn.
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